Zur Navigation springen Zum Inhalt springen
Schrift:
kleiner | größer |
Druckansicht
Logo: Landeswappen Rheinland-Pfalz
Grundschule
  • Hauptmenü 1Aktuelles.
  • Hauptmenü 2Amtliches.
  • Hauptmenü 3Grundschulordnung.
  • Hauptmenü 4Beratung.
  • Hauptmenü 5Bilinguale Grundschulen.
  • Hauptmenü 6Lernbereiche
    • Hauptmenü 6.1Kunst.
    • Hauptmenü 6.2Deutsch.
    • Hauptmenü 6.3Evangelische Religion.
    • Hauptmenü 6.4Fremdsprachen
      • Hauptmenü 6.4.1Amtliches.
      • Hauptmenü 6.4.2Medien und Materialien.
      • Hauptmenü 6.4.3Linktipps.
      • Hauptmenü 6.4.4PFIFF / Fortbildungen.
      • Hauptmenü 6.4.5Pilotgruppe Fremdsprachen.
      • Hauptmenü 6.4.6Portfolio.
      • Hauptmenü 6.4.7Unterrichtspraktische Ideen.
      • Hauptmenü 6.4.8Teilrahmenplan Fremdsprache.
      • Hauptmenü 6.4.9Redemittellisten.
      • Hauptmenü 6.4.10Wissenschaftliches
        • Hauptmenü 6.4.10.1Prof. Dr. Wolff: Der Europäische Referenzrahmen.
        .
      • Hauptmenü 6.4.11Grundschulen mit zweisprachigem Unterricht.
      • Hauptmenü 6.4.12Bildungs- partnerschaften.
      .
    • Hauptmenü 6.5Katholische Religion.
    • Hauptmenü 6.6Mathematik.
    • Hauptmenü 6.7Musik .
    • Hauptmenü 6.8Sachunterricht.
    • Hauptmenü 6.9Schulanfang.
    • Hauptmenü 6.10Sport.
    .
  • Hauptmenü 7Medienbildung.
  • Hauptmenü 8Projekte.
  • Hauptmenü 9Rahmenplan.
  • Hauptmenü 10VERA.
  • Hauptmenü 11Wettbewerbe in der Grundschule.
  • Zusatzmenü 1Startseite.
  • Zusatzmenü 2Impressum.
  • Zusatzmenü 3Sitemap.
  • www.rlp.de
Bildungsserver > Grundschule.  > Lernbereiche.  > Fremdsprachen.  > Wissenschaftliches.  > Prof. Dr. Wolff: Der Europäische Ref...

Wissenschaftliches

Der Europäische Referenzrahmen und das Europäische Portfolio der Sprachen: Hilfestellung für den Fremdsprachenunterricht in der Grundschule?

Prof. Dr. Dieter Wolff
Bergische Universität Wuppertal
Fachbereich 4

Einleitung

Seit einigen Jahren schon werden unter Fremdsprachenlehrern, die als informiert gelten, neue geheimnisvolle Begriffe wie "Europäischer Referenzrahmen" und "Sprachenportfolio" ge-braucht, die für andere noch recht fremdartig klingen und mit denen sie nicht viel anzufangen wissen. Da diese Begriffe offensichtlich etwas mit dem Lernen von Fremdsprachen zu tun haben und da Fremdsprachen ja auch in der Grundschule unterrichtet werden, sind auch die Grundschullehrer hellhörig geworden. Sie möchten wissen, ob sich hinter diesen Begriffen etwas verbirgt, was auch für die Grundschule wichtig ist, ob hier etwas entwickelt wurde, was dem Fremdsprachenunterricht in der Grundschule, der ja großenteils Neuland betritt, Impulse geben kann. Dazu kommt, dass auch der Rahmenplan Fremdsprache in Rheinland-Pfalz - wie übrigens auch die Lehrpläne der anderen Bundesländer - auf den europäischen Referenzrah-men Bezug nimmt und, wie diejenigen wissen, die ihn schon gelesen haben, ihm eine wichtige Funktion im Hinblick auf die Bestimmung der Lernziele des Unterrichts zuteilt.

Dieser kleine Beitrag stellt den Versuch dar, möglichst knapp aber dennoch umfassend über den europäischen Referenzrahmen und das Sprachenportfolio zu informieren und den interessierten Lehrkräften dabei zu helfen herauszufinden, welchen Beitrag diese beiden Konzepte für ihren eigenen Unterricht leisten können, insbesondere für die Lernzielbestimmung, für die Unterrichtsplanung und Gestaltung, und für die Leistungsbewertung. In diesen Ausführungen wird vieles wiederholt, was in anderen Beiträgen (vgl. die Literaturliste am Ende des Beitrags) schon gesagt wurde; das ergibt sich aus der Natur der Sache. Aber es werden an einigen Stellen Akzente gesetzt, die sich von denen anderer Beiträge unterscheiden. Dies kann vielleicht dazu beitragen, dass ein komplexeres Bild von der Idee des europäischen Referenzrahmens und des Sprachenportfolios entsteht und sich daraus neue Überlegungen zur Unterrichtsgestaltung entwickeln.

Der europäische Referenzrahmen und das europäische Sprachenportfolio: Beschreibung eines neuen fremdsprachendidaktischen Konzeptes

Die beiden Konzepte "Gemeinsamer Europäischer Referenzrahmen" (GER) und "Europäisches Portfolio der Sprachen" (EPS) gehören zusammen; auf allgmeinster Ebene lassen sie sich als ein Planungsinstrument für Fremdsprachenunterricht bezeichnen. Wie viele andere bedeutsame fremdsprachendidaktische Konzepte der Vergangenheit wurden auch der GER und das EPS vom Europarat entwickelt, jener bildungspolitisch ausgerichteten europäischen Institution, in der sich fast alle europäischen Staaten zusammengeschlossen haben und die es sich zum Ziel gesetzt hat, Erziehung und Bildung in ganz Europa zu fördern. Wie schon die vorausgegangenen Entwicklungen im Bereich des Fremdsprachenunterrichts basiert auch der GER auf einem kommunikativ-handlungsorientierten Konzept des Lernens und Lehrens von Sprachen, das sich vom Ansatz her auch recht gut für die Grundschule eignet. Der GER differenziert die beim Erwerb einer Fremdsprache zu erreichenden sprachlichen Fähigkeiten nach drei jeweils zweigliedrigen Kompetenzstufen, die in sich wieder nach fünf Fähigkeits- und Fertigkeitsbereichen untergliedert sind.

Für die Kompetenzstufen ergibt sich die folgende Struktur:

A = Allgemeiner Anwender (basic user)
A 1 Breakthrough
A 2 Waystage
B = Selbstständiger Anwender (independent user)
B 1 Threshold
B 2 Vantage
C = Kompetenter Anwender (proficient user)
C 1 Effective proficiency
C 2 Mastery

(Für die englischen Bezeichnungen der Teilbereiche gibt es keine deutschen Entsprechungen; man findet die englischen Bezeichnungen auch in deutschen Texten zum GER und EPS)
Die Fähigkeits- und Fertigkeitsbereiche werden aus den vier Grundfertigkeiten (Sprechen, Schreiben, Hören und Lesen) abgeleitet; die Fertigkeit des Sprechens wird in zwei Teilfähigkeiten unterteilt: an Gesprächen teilnehmen (interaktionales Sprechen) und zusammenhängend sprechen (transaktionales Sprechen). So ergeben sich fünf Fähigkeits und Fertigkeitsbereiche. Neu und für das Verständnis von GER und EPS besonders wichtig ist, dass hier versucht wird, sprachliche Fähigkeiten und Fertigkeiten auf einer Skala des Könnens zu definieren, die nicht nur für Lehrplanentwickler und Lehrer nutzbar gemacht, sondern auch von Schülern nachvollzogen werden kann.

Diese Könnensformulierungen, die gleich noch etwas näher beschrieben werden, stellen den Kern des EPS dar, das im Gegensatz zum GER, der eher eine theoretische Orientierung auf-weist, auf den Schüler bezogen ist. Das europäische Sprachenportfolio besteht aus drei Teilen: einem Sprachenpass, einer Sprachbiografie und einem Dossier. Der Sprachenpass dient dazu, die nach Meinung des Lernenden von ihm zu bestimmten Zeitpunkten erreichten sprachlichen Kompetenzen festzuhalten, d.h. sich selbst auf der Fähigkeitsskala einzuordnen. In der Sprachenbiografie kann der Lerner festhalten, welche Sprachen er in der Schule oder außerhalb der Schule lernt, welche Auslandsaufenthalte er schon absolviert hat (Austausch, Partnerschaft, Praktika) und an welchen auslandsorientierten Projekten er schon teilgenommen hat. Schließlich kann er eigene fremdsprachliche Arbeiten im Dossier zusammentragen.

Diese Beschreibung bezieht sich auf die Grundstruktur eines EPS. In vielen europäischen Ländern sind inzwischen Sprachenportfolios entwickelt worden, die entsprechend der Zielgruppe der Lerner Varianten aufweisen, aber immer von dem Prinzip der Selbstbewertung und Dokumentation sprachlicher Leistungen ausgehen. Unter anderem gibt es neben Sprachenportfolios für erwachsene Lerner (Immigranten) auch solche für Grundschullerner. Insgesamt gibt es im europäischen Kontext zurzeit etwa dreißig auf die jeweiligen Adressatengruppen abgestimmte Portfolios, die mit einem Gütesiegel des Europarates versehen sind.

Wie andere Länder auch, hat das Land Rheinland-Pfalz im Rahmenplan Fremdsprache festgelegt, dass das fremdsprachliche Abschlussprofil in der Grundschule etwa dem Niveau A1 des GER entsprechen soll. Um dieses Kompetenzniveau etwas besser zu verdeutlichen, aber auch um zu zeigen, wie GER und EPS Kompetenzen schülerorientiert definieren, sei hier das Ni-veau A1 allgemein (GER, bezogen auf Lehrer und Lehrplanersteller) und im Hinblick auf die einzelnen Fertigkeitsbereiche (EPS, bezogen auf die Lernenden) vorgestellt.

Allgemeine Beschreibung von A 1:

Der Lerner kann alltägliche Ausdrücke und grundlegende Sätze verstehen und gebrauchen, welche Bedürfnisse konkreter Art zufrieden stellen. Er kann sich selbst und andere vorstellen und Fragen stellen bzw. beantworten, die sich auf persönliche Aspekte beziehen, z.B. wo er lebt, welche Menschen er kennt, welche Dinge er besitzt. Er kann auf einfache Weise mit anderen interagieren, wenn der Kommunikationspartner langsam und deutlich spricht und bereit ist zu helfen.

Beschreibung der Fertigkeitsbereiche von A 1:

Hören: Ich kann vertraute alltägliche Ausdrücke und ganz einfache Sätze, z.B. kurze einfache Anweisungen verstehen, wenn sehr deutlich und langsam gesprochen wird.
Lesen: Ich kann einzelne vertraute Namen, Wörter und ganz einfache Sätze erfassen, z.B. auf Schildern, Plakaten oder in Prospekten.
An Gesprächen teilnehmen: Ich kann mich auf einfache Art verständigen, bin aber darauf angewiesen, dass mein Gesprächspartner etwas langsamer wiederholt oder anders sagt und mir dabei hilft, zu formulieren, was ich sagen möchte. Ich kann einfache Fragen stellen und beantworten, sofern es sich um unmittelbar notwendige Dinge und um sehr vertraute Themen handelt.
Zusammenhängend Sprechen: Ich kann einfache Wendungen und Sätze gebrauchen, um Leute, die ich kenne, zu beschreiben und um zu beschreiben, wo ich wohne.
Schreiben: Ich kann eine einfache Postkarte, z.B. mit Feriengrüßen, schreiben. Ich kann auf Formularen, z.B. in Hotels, Namen, Adresse, Nationalität usw. eintragen.

Der europäische Referenzrahmen und das europäische Sprachenportfolio: Funktionen eines neuen fremdsprachendidaktischen Konzeptes

Wenn man sich zum ersten Mal mit dem europäischen Referenzrahmen beschäftigt, möchte man fast den Eindruck gewinnen, als sei hier zwar mit dem Sprachenpass eine recht kreative Idee umgesetzt worden, die es ermöglicht, den Schüler stärker in den Unterricht einzubeziehen und ihn dazu zu motivieren, sich mit seinen eigenen Leistungen auseinanderzusetzen, dass aber dieses Konzept darüber hinaus nur wenig innovatives Potenzial besitze. Dies wäre eindeutig eine Fehleinschätzung. GER und EPS können zu einem wirklichen change agent im didaktischen Geschehen werden, wenn man das Potenzial, das diesen Konzepten unterliegt, auslotet und für den Fremdsprachenunterricht nutzbar macht. Im Folgenden soll versucht werden, die möglichen Funktionen dieses neuen fremdsprachendidaktischen Konzeptes auf der Grundlage der Ausführungen der Autoren des GER etwas genauer zu erfassen, um auf diese Weise sein Potenzial deutlicher zu machen.

Wenn man sich die einzelnen Fertigkeitsbereiche, wie sie für A 1 oben vorgestellt wurden, etwas genauer anschaut, dann kann man feststellen, dass jeder von ihnen auf drei für Unter-richtsplanung und Gestaltung zentrale Aspekte Bezug nimmt: auf Lernzielbestimmung und Lerninhalte, auf mögliche Unterrichtsaktivitäten und auf Leistungsbewertung.
(So werden auch im GER die Funktionen definiert: “The uses of the framework include: the planning of lan-guage learning programmes..., the planning of language certification..., the planning of self-directed learn-ing...(GER S.6) )
So definiert der Fertigkeitsbereich Schreiben in A 1 ein Lernziel, nämlich eine bestimmte Schreibkompe-tenz, er verweist auf einen bestimmten Lerninhalt, nämlich die "Textsorten", die auf diesem Niveau "gekonnt" werden sollen, er nimmt Bezug auf mögliche Unterrichtsaktivitäten, die eingebracht werden können, um das gesetzte Lernziel zu erreichen, und die gewählte Könnensformulierung öffnet den Weg für die Selbstbewertung.

Wie Little (2003) treffend formuliert, stellt der GER Werkzeuge bereit, um Sprachlernprogramme zu entwickeln, innerhalb derer Curriculum, Lehr- und Lernorganisation und die Leistungsbewertung nach identischen Kriterien gestaltet werden können. Dies ist, wenn man einmal von seiner europäischen Dimension absieht, die die Vergleichbarkeit von Sprachprogrammen und sprachlichen Qualifikationen innerhalb Europas ermöglicht, das eigentlich Neue am gemeinsamen europäischen Referenzrahmen. Auf seiner Grundlage kann Unterricht auf verschiedenen Abstraktionsebenen effizient gestaltet werden: er kann herangezogen werden, um einen schulischen Lehrplan zu konzipieren, seine Ziele, Inhalte und Methoden zu beschreiben und neue Formen der Leistungsbewertung einzubringen. Gerade dies geschieht ja auch zurzeit im Hinblick auf die neuen Lehrpläne in Rheinland-Pfalz. Der GER kann aber auch eingebracht werden, um Unterrichtssequenzen, ja selbst Unterrichtsstunden zu planen und durchzuführen. Er leistet damit eine wichtige Aufgabe bei der Schul- und Unterrichtsentwicklung, die, wie es auch der Rahmenplan Fremdsprache Rheinland-Pfalz fordert, in immer stärkerem Maße von den Schulen selbst übernommen werden soll.

In diesem Zusammenhang sollte darauf aufmerksam gemacht werden, dass die im GER gewählten inhaltlichen Formulierungen weitgehend Beispielcharakter haben; d.h. der GER erhebt nicht den Anspruch, als wolle er ein festes inhaltliches Curriculum bereitstellen; dies wird vielmehr seinen Benutzern überlassen. Im Rahmenplan Fremdsprache des Landes Rheinland-Pfalz ist dies sehr gut zu erkennen; er enthält umfassende inhaltliche Kataloge, die den verschiedenen Fertigkeitsbereichen zugeordnet werden können. Natürlich wird hier auch eine Schwachstelle des GER deutlich. Zwar wird darauf hingewiesen, dass Sprachlernen nur in sozio-pragmatischen Kontexten stattfinden kann und dass transkulturelles Lernen im Vorder-grund jedes sprachlichen Lernprozesses stehen soll. Wenn man sich aber die Formulierungen in den Fähigkeitsbereichen anschaut, finden sich nur wenig Hinweise auf Fähigkeiten, die zur Entwicklung von transkulturellem Lernen "gekonnt" werden sollen.

Die Gestaltung von Unterricht mit Hilfe des europäischen Referenzrahmen gewinnt auch deshalb eine neue Qualität, weil durch die Formulierung der Kompetenzbereiche auf einer sprachlichen Ebene, die auch dem Lernenden zugänglich ist, die Möglichkeit eröffnet wird, den Schüler an Planungs-, Organisations- und Bewertungsprozessen teilhaben zu lassen. Weil der Schüler versteht, was von ihm erwartet wird, ist er auch in der Lage, Unterricht mitzuges-talten. Das Konzept der Schülerorientierung, mit dem schon seit Generationen Lehrpläne überfrachtet wurden, das aber nie im Unterricht umgesetzt wurde, gewinnt im GER eine neue realistische Qualität.

Zu einer stärkeren Einbeziehung des Schülers in das Unterrichtsgeschehen trägt in hohem Maße auch das EPS bei. Die wichtigste seiner verschiedenen Funktionen ist es, dem Schüler die Fähigkeit zur Selbstbewertung zu vermitteln und ihm damit Verantwortung für das eigene Lernen zu übertragen. Es ist selbstverständlich, dass die Versuche, die eigenen Leistungen selbstständig zu bewerten, immer flankiert sein müssen von Bewertungen durch den Lehrer. Die Arbeit mit dem Portfolio ist immer eine gemeinsame Arbeit von Lehrer und Schülern. Aber allein schon die Tatsache, dass Bewertung nicht allein dem Lehrer überlassen bleibt sondern im Klassenzimmer thematisiert wird, ermöglicht eine höhere Schülerorientierung.

Durch die Einbindung des EPS in den Unterricht und durch die Förderung der Fähigkeit zur Selbstbewertung wird die Sprachlernbewusstheit des Schülers aber auch seine Sprachbewusstheit gefördert. Die Auseinandersetzung mit den eigenen Leistungen führt dazu, dass der Lerner erkennt, was er beim Sprachlernen richtig und was er falsch macht. Seine Bewusstheit für die eigenen Lernvorgänge wird geschärft, sein Lernvermögen wird verbessert. Aber dadurch dass er auf den Lerngegenstand Sprache fokussiert, wird auch seine Bewusstheit für diesen Lerngegenstand größer, er entwickelt ein Verständnis für Sprache, ihre Strukturen und ihre Funktionen.

Damit wird nun die wichtigste innovative Funktion von GER und EPS immer deutlicher. Mit ihrer Hilfe ist es möglich, das Prinzip des selbstständigen Lernens umzusetzen und die Lernenden im Verlaufe ihrer schulischen Entwicklung zu mehr und mehr Autonomie zu führen. Die Fähigkeit zur Selbstbewertung wird in der modernen Pädagogik als ein Schlüssel zum Einstieg in die Lernerautonomie gesehen, als Möglichkeit, die Schüler von dort aus zu anderen Bereichen selbstständigen Lernens zu führen. Und Lernerautonomie wird heute von vielen Pädagogen als wichtigstes Ziel schulischer Erziehung gesehen, und von Politikern als Notwendigkeit verstanden, dem gesellschaftspolitischen Ziel des lebenslangen Lernen gerecht werden zu können.

Referenzrahmen und Sprachenportfolio in der Grundschule

Bei der Beschreibung der Funktionen des GER und des EPS ist sicherlich schon deutlich geworden, dass dieses neue didaktische Konzept auch in der Grundschule eine Rolle spielen kann, eine Rolle, die weit über die eines Werkzeuges zur Erstellung eines adäquaten Rahmenplans hinausgeht.

Die Beschreibungen der Fähigkeits- und Fertigkeitsbereiche verweisen auf die Lernziele, die auf der Basis des Rahmenplans erreicht werden sollen. Der Lehrplan kann eigentlich nur vor dem Hintergrund des GER so gelesen werden, wie ihn seine Autoren verstanden haben.

GER und EPS geben dem Lehrer wichtige Hinweise darauf, was zu vermitteln und welche Lernziele am Ende der Grundschulzeit im Hinblick auf ein angemessenes Übergangsprofil erreicht werden sollten. Außerdem geben sie ihm Hinweise und Anregungen bei der Planung von Unterrichtssequenzen und auch einzelner Unterrichtsstunden.

Für die Nutzung der Kompetenzbeschreibungen des EPS durch die Schüler ist es sicherlich notwendig, auf diese im Unterricht einzugehen und sie zu erklären. Ein bewusster Umgang mit diesen Profilen trägt auch dazu bei, dass Schüler ein Bewusstsein für Sprache und ihre Funktionen entwickeln. Allerdings ist zu überlegen, diese Profile stärker altersgerecht zu for-mulieren. Dies sollte vor dem Hintergrund des jeweiligen Lehrplans geschehen. Die Arbeiten für die Entwicklung eines Portfolios für den Fremdsprachenunterricht in der Grundschule in Rheinland-Pfalz haben begonnen; mit einer Fertigstellung des Portfolios wird für das Jahr 2004 gerechnet.

Literatur

Christ, I. (1999): "Das europäische Portfolio der Sprachen: Konzepte und Funktionen". Babylonia 1, 10-14

Council of Europe (1997): The European Language Portfolio. Strasbourg: Council of Europe

Council of Europe (1997): The Common European Framework of Reference for Languages. Strasbourg: Council of Europe

Legutke, M. (2001): "Portfolio für Sprachen - in der Grundschule?" Grundschulunterricht 48, Sonderheft Fremdsprachen 20-23, 65.

Little, D. (2003): "The Common European Framework: principles, challenges, issues". Neusprachliche Mitteilungen aus Wissenschaft und Praxis 56

(Für Lehrerinnen und Lehrer, die sich stärker mit praktischen Aspekten des GER und des EPS beschäftigen möchten, sind alle Beiträge des als Heft 4 im August 2003 erschienenen Bandes der Neusprachlichen Mitteilungen aus Wissenschaft und Praxis von Interesse. Sie machen sehr schön das Anwendungsspektrum insbesondere des Portfolios deutlich.)

Linktipp

Den Europäischen Referenzrahmen finden Sie unter :
http://www.goethe.de/z/50/commeuro/i3.htm

Diesen Bereich betreut E-Mail an Karen Finck, MBWWK. Letzte Änderung dieser Seite am  9. November 2006. ©1996-2012 Bildungsserver Rheinland-Pfalz