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Aus der hohen gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Bedeutung der Naturwissenschaften leitet sich der Stellenwert der naturwissenschaftlichen Kompetenzen auch innerhalb aller schulischer Bildungsgänge ab.
Naturwissenschaftliche Grundbildung wird deshalb bereits für die frühe Kindheit zunehmend stärker eingefordert. Naturwissenschaftlich geprägte Alltagserfahrungen der Kinder und sie umgebende Realitäten lösen eine systematische Begegnung mit Naturwissenschaft in der Primarstufe aus.
Der Lernbereich Sachunterricht (SU) ist deshalb der Ort, in dem die erste schulische Begegnung mit naturwissenschaftlichen Themen erfolgt.
Hirnforscher belegen, dass Grundschülerinnen und Grundschüler in der Lage sind, auch anspruchsvolle naturwissenschaftliche Phänomene zu erfassen und zu erklären. In der Konsequenz hierzu, ist die Weiterentwicklung des naturwissenschaftlichen Lernens auch ein wichtiger Aufgabenbereich der Qualitätsentwicklung in der rheinland-pfälzischen Primarstufe insgesamt.
Im Lernbereich Sachunterricht sind naturwissenschaftliche Themen in einer länderübergreifenden Synopse quantitativ eher nachrangig vertreten. Die nachfolgend angeführten Daten dürften deshalb auch die Situation im Lande spiegeln.
Eine Untersuchung zur Häufigkeit der Lernbereiche in deutschen Lehrplänen für den Primarbereich aus dem Jahre 2005 zeigt folgendes Ergebnis: (Anteile in %)
Biologie: 25
Soziales Lernen: 19,6
Geographie: 11.1
Gesundheit: 10.6
Geschichte: 10.2
Technik: 8,1
Physik : 6.2
Chemie:1.5
Sonstiges 7
(Quelle Schulverlag blmv. Bern 2005)
Verteilung der Schülerinnen und Schüler in Deutschland auf die Stufen naturwissenschaftlicher Kompetenz. (Quellen: Erste Ergebnisse aus IGLU 2003, IGLU vertiefende Analysen, 2005)
Die jeweiligen Stufen (V bis 0) erreichen nach Ende der Primarstufe
| Insges. (in %) | M (in %) | J (in %) | |
| Stufe V: Naturwissenschaftliches Denken | 8,1 | 6,6 | 9,7 |
| Stufe IV: Beginnendes naturwissenschaftliches Verständnis | 33,7 | 30,9 | 36,5 |
| Stufe III: Anwenden naturwissenschaftlicher Begriffe | 21,3 | 21,9 | 20,7 |
| Stufe II: Anwenden alltagsnaher Begriffe | 20,2 | 21,0 | 19,4 |
| Stufe I: Einfache Wissensproduktion | 12,8 | 14,3 | 11,4 |
| Stufe 0: Vorschulisches Alltagswissen | 3,9 | 5,3 | 2,4 |
Ca. 27 % der Kinder verbleiben in niedrigen Kompetenzbereichen.
Als Gründe für die durch Lehrkräfte zu verantwortende Unterrepräsentanz des chemischen Lernens im Sachunterricht werden primär Erfahrungen aus deren eigener Schul- und Ausbildungsbiographie geltend gemacht.
Nachfragen unter den Lehrkräften belegen allerdings, dass generell keine Aversion gegen naturwissenschaftliches Lernen vorhanden ist. Naturwissenschaftlichem Lernen wird grundsätzlich ein hoher Stellenwert zu gemessen. Es gibt deutliche Anzeichen dafür, dass ein starkes Potenzial für einen anregenden und schülerbezogenen naturwissenschaftlichen Unterricht vorhanden ist, das bislang noch nicht hinreichend ausgeschöpft ist.
Wie kann über den Teilrahmenplan Sachunterricht, die Lehrerbildung, die Lehrerfort- und -weiterbildung und eine generell veränderte Sichtweise gegenüber naturwissenschaftlichen Lernen in der Grundschule dieses Potenzials genutzt werden und auf die Qualitätsentwicklung einwirken?
Phänomenen der unbelebten Natur muss ein prominenter Platz im Bildungs- und Erziehungsauftrag der Primarstufe eingeräumt werden.
Lernen in der Primarstufe muss gleichzeitig auch der Anfang des naturwissenschaftlichen Lernens bedeuten, denn forschend-entdeckendes Lernen ist eine Arbeitsweise, die der Lernentwicklung der Kinder entgegenkommt und sie nachweislich fördert. Die Hirnforschung belegt in zunehmend mehr Studien, dass die frühkindliche Anregungsdichte maßgeblich auf die Entwicklungsbiographie, die Lern- und Leistungsbiographie von Kindern nachhaltig prägend einwirkt. Wer Grundschulkinder „weiterbringen“ will, muss ihnen die entsprechende Anregungsdichte auch im naturwissenschaftlichen Lernen ermöglichen.
Die Professionalisierung der Lehrerinnen und Lehrer in diesem Aufgabenfeld steht in der Agenda , das naturwissenschaftlichen Lernen in der rheinland-pfälzischen Grundschule weiter zu entwickeln, ganz oben an.
Einem auftauchenden Vorurteil, wonach das außerschulische Engagement von Unternehmen für naturwissenschaftliches Lernen im Primarbereich darauf abzielt, den Bildungs- und Erziehungsauftrag der Grundschule frühzeitig zu ökonomisieren und die Kinder auf chemischen Nachwuchsschulung zu trimmen, ist zu widersprechen.
Es geht bei der Kooperation mit Unternehmen und Verbänden nicht um eine einseitige Heranbildung chemischer Fachkräfte von morgen und übermorgen, sondern um eine insgesamt breiter und ausgewogener angelegte Bildung im Bereich des Sachlernens.
Es ist beispielsweise erwiesen, dass die Befassung mit naturwissenschaftlichen Phänomenen auch die Sprachbildung positiv beeinflusst und die dort praktizierten Formen kooperativen Zusammenarbeitens positiv auf die Arbeitshaltung, das Können und Wollen der Kinder einwirken.
Ferner ist zu fragen: Warum sollen nicht in der frühen Schulbiographie geistige Grundlagen und individuelle positive Einstellungen zu Arbeitsfeldern der Berufswelt gelegt werden?